Seepferdchen-Wenn Männer schwanger werden.

Spannende Alltagsfragen in leicht verständlicher Weise aus den vielfältigen Bereichen der Wissenschaft - von den Naturwissenschaften bis zur Mathematik.
Diskutieren und Antworten Sie mit...
Antworten
Benutzeravatar
jens
Site-Owner
Site-Owner
Beiträge: 236
Registriert: 15.04.1999, 02:00
Wohnort: KÖLN
Kontaktdaten:

Seepferdchen-Wenn Männer schwanger werden.

Beitrag von jens »

Seepferdchen -
Wenn Männer schwanger werden.

Seepferdchen weichen nicht nur in ihrer Form von anderen Fischen ab. Auch ihre Fortpflanzungsrituale sind außergewöhnlich. In dieser Hinsicht sind sie die emanzipiertesten Tiere, die es gibt.
Denn nicht das Weibchen geht schwanger, sondern der Mann. Im Vergleich zu anderen Fischen haben die Stachelseepferdchen aus dem Indopazifik bei der Paarung einen innigen Kontakt. Denn sobald der Mann die Frau entdeckt hat, färbt sich sein Kopf dunkel. Diese Färbung tritt nur bei der Balz auf - und dafür nehmen sich die Tiere mehrere Stunden Zeit. Seepferdchen sind außerdem nicht so friedliebend wie es scheint: Wenn zwei Männchen um eine Frau streiten, kann es schon mal zu einer Rauferei kommen.

Johann Kirchhauser, Naturkundemuseum Karlsruhe:
Bei den Seepferdchen müssen sich wie überall die Geschlechtspartner erst einmal finden. Wenn also ein Männchen auf ein Weibchen stößt, das interessant für ihn ist, balzt er und wenn er Glück hat, interessiert sich das Weibchen für ihn. Sie verfestigen ihre Partnerschaft durch richtige Rituale, die im Optimalfall dazu führen, dass das Weibchen die Eier in den Brutbeutel des Männchen ablegt. Die Kloake des Weibchens wird dabei zu einem Konus, der genau in die Öffnung des Brutbeutels eingepasst wird, so dass möglichst kein Ei verloren geht. Das Männchen nimmt die Eier auf, befruchtet die Eier im Brutbeutel und trägt dann wie in einer Schwangerschaft diese Eier aus. Sie werden in dieser Zeit von einem speziellen Gewebe mit Sauerstoff versorgt.
Nach ca. 10 Tagen schlüpfen die jungen Seepferdchen, bleiben aber zunächst noch im Brutbeutel. Sie werden weiterhin vom Männchen versorgt, auch mit Sauerstoff. Das Meerwasser wäre in der Situation noch zu aggressiv für die jungen Seepferdchen. Nach einer Gesamttragezeit von ca. zwei Wochen werden die Jungtiere unter wehenartigen Krämpfen an das Meerwasser abgegeben und sind ab diesem Zeitpunkt ganz auf sich selbst gestellt.

Die Seepferdchen können bis zu sechs Jahren alt werden und je nach Art eine Größe von zwei bis zwanzig Zentimetern erreichen. Die Fortpflanzungszeit dauert bei tropischen Arten sieben Monate. Während dieser Zeit wird das Männchen mehrere Male schwanger und gebiert zwischen 300 und 1000 Jungtiere. Weltweit sind insgesamt 35 verschiedene Seepferdchenarten bekannt, zwei davon leben im Mittelmeer, das langschnäuzige und das kurzschnäuzige Seepferdchen.

Trotz der weiten Verbreitung sind alle Arten in ihren Lebensräumen bedroht.

Johann Kirchhauser:
Die Bedrohung hat vielerlei Gestalt. Eine große Rolle spielt die Biotopzerstörung . Die Seegraswiesen, die eigentliche Heimat unserer Seepferdchen, gehen immer mehr zurück. Hier sind wohl Umweltverschmutzungen die Ursache. Andererseits werden Seepferdchen auch für Tourismuszwecke getrocknet und für Aquaristikzwecke gefangen. Die große Bedrohung geht aber momentan von der chinesischen Medizin aus. Zur Herstellung zweifelhafter potenzsteigernder Mittel werden in sehr großen Mengen Seepferdchen gefangen, getrocknet und zu Mehl verarbeitet.
Seepferdchen sind sehr langsame Schwimmer und daher für den Menschen eine leichte Beute. Wenn sie sich für einen Wohnort entschieden haben, bleiben sie dort ihr ganzes Leben. Und hat sich ein Seepferdchenpaar gefunden, wechselt es auch den Partner nicht mehr. Sie bleiben sich lebenslang treu.
Dateianhänge
Seepferdchen
Seepferdchen
seepferdchen.jpg (19.34 KiB) 13662 mal betrachtet
Antworten