Seepferdchen-Wenn MĂ€nner schwanger werden.

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Seepferdchen-Wenn MĂ€nner schwanger werden.

Beitrag von jens » 22.10.2005, 22:45

Seepferdchen -
Wenn MĂ€nner schwanger werden.

Seepferdchen weichen nicht nur in ihrer Form von anderen Fischen ab. Auch ihre Fortpflanzungsrituale sind außergewöhnlich. In dieser Hinsicht sind sie die emanzipiertesten Tiere, die es gibt.
Denn nicht das Weibchen geht schwanger, sondern der Mann. Im Vergleich zu anderen Fischen haben die Stachelseepferdchen aus dem Indopazifik bei der Paarung einen innigen Kontakt. Denn sobald der Mann die Frau entdeckt hat, fĂ€rbt sich sein Kopf dunkel. Diese FĂ€rbung tritt nur bei der Balz auf - und dafĂŒr nehmen sich die Tiere mehrere Stunden Zeit. Seepferdchen sind außerdem nicht so friedliebend wie es scheint: Wenn zwei MĂ€nnchen um eine Frau streiten, kann es schon mal zu einer Rauferei kommen.

Johann Kirchhauser, Naturkundemuseum Karlsruhe:
Bei den Seepferdchen mĂŒssen sich wie ĂŒberall die Geschlechtspartner erst einmal finden. Wenn also ein MĂ€nnchen auf ein Weibchen stĂ¶ĂŸt, das interessant fĂŒr ihn ist, balzt er und wenn er GlĂŒck hat, interessiert sich das Weibchen fĂŒr ihn. Sie verfestigen ihre Partnerschaft durch richtige Rituale, die im Optimalfall dazu fĂŒhren, dass das Weibchen die Eier in den Brutbeutel des MĂ€nnchen ablegt. Die Kloake des Weibchens wird dabei zu einem Konus, der genau in die Öffnung des Brutbeutels eingepasst wird, so dass möglichst kein Ei verloren geht. Das MĂ€nnchen nimmt die Eier auf, befruchtet die Eier im Brutbeutel und trĂ€gt dann wie in einer Schwangerschaft diese Eier aus. Sie werden in dieser Zeit von einem speziellen Gewebe mit Sauerstoff versorgt.
Nach ca. 10 Tagen schlĂŒpfen die jungen Seepferdchen, bleiben aber zunĂ€chst noch im Brutbeutel. Sie werden weiterhin vom MĂ€nnchen versorgt, auch mit Sauerstoff. Das Meerwasser wĂ€re in der Situation noch zu aggressiv fĂŒr die jungen Seepferdchen. Nach einer Gesamttragezeit von ca. zwei Wochen werden die Jungtiere unter wehenartigen KrĂ€mpfen an das Meerwasser abgegeben und sind ab diesem Zeitpunkt ganz auf sich selbst gestellt.

Die Seepferdchen können bis zu sechs Jahren alt werden und je nach Art eine GrĂ¶ĂŸe von zwei bis zwanzig Zentimetern erreichen. Die Fortpflanzungszeit dauert bei tropischen Arten sieben Monate. WĂ€hrend dieser Zeit wird das MĂ€nnchen mehrere Male schwanger und gebiert zwischen 300 und 1000 Jungtiere. Weltweit sind insgesamt 35 verschiedene Seepferdchenarten bekannt, zwei davon leben im Mittelmeer, das langschnĂ€uzige und das kurzschnĂ€uzige Seepferdchen.

Trotz der weiten Verbreitung sind alle Arten in ihren LebensrÀumen bedroht.

Johann Kirchhauser:
Die Bedrohung hat vielerlei Gestalt. Eine große Rolle spielt die Biotopzerstörung . Die Seegraswiesen, die eigentliche Heimat unserer Seepferdchen, gehen immer mehr zurĂŒck. Hier sind wohl Umweltverschmutzungen die Ursache. Andererseits werden Seepferdchen auch fĂŒr Tourismuszwecke getrocknet und fĂŒr Aquaristikzwecke gefangen. Die große Bedrohung geht aber momentan von der chinesischen Medizin aus. Zur Herstellung zweifelhafter potenzsteigernder Mittel werden in sehr großen Mengen Seepferdchen gefangen, getrocknet und zu Mehl verarbeitet.
Seepferdchen sind sehr langsame Schwimmer und daher fĂŒr den Menschen eine leichte Beute. Wenn sie sich fĂŒr einen Wohnort entschieden haben, bleiben sie dort ihr ganzes Leben. Und hat sich ein Seepferdchenpaar gefunden, wechselt es auch den Partner nicht mehr. Sie bleiben sich lebenslang treu.
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Seepferdchen
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