Warum?:Evolution

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jens
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Warum?:Evolution

Beitrag von jens »

Worauf beruhen Evolutionsprozesse? Haben sie rein genetische Ursachen, oder wird die Entwicklung der Arten auch durch Umweltfaktoren bestimmt?
Evolution

[font=Comic Sans MS]Man redet viel zu viel über die großen Katastrophen, die zum Verschwinden einer ganzen Spezies führten, wie zum Beispiel das Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren - echauffiert sich Professor Archipi.

Über die Entstehung der einzelnen Gattungen wird hingegen kaum gesprochen. Das kann einen zur Weißglut bringen! Aber irgendwie ist es auch verständlich, denn im Verzeichnis der fossilen Funde bemerkt man eher die Nichtexistenz einer bestimmten, ehemals zahlreich vorhandenen Gattung, weil man einen Übergang von "viel" auf "nichts" registriert. Im umgekehrten Fall - wenn also eine Spezies entsteht - zählt man statt "nichts" einige wenige Individuen, die überdies noch nicht einmal als fossile Funde überlebt haben müssen. Nun - fährt Archipi fort - die Hauptrassen der heutzutage existierenden Spezies tauchten vor etwa 500 Millionen Jahren auf, im so genannten Kambrium. Dabei handelte es sich um Mollusken - die Vorfahren der heutigen Hummer. Von diesen Weichtieren besitzen wir nur die Spuren, die ihre Körper im Felsgestein hinterlassen haben. Sie sind unsere eigentlichen Vorfahren. Wie konnte sich diese Spezies plötzlich entwickeln? Wie hat sich ihr Genom, das die Entwicklung eines Lebewesens steuert, so abrupt verändern können?

Gemäß der klassischen Darwin'schen Evolutionstheorie wurde aufgrund eines geologischen Ereignisses eine kleine Gruppe von Tieren isoliert, von denen ein Teil schließlich ganz verschwand, weil sie bestimmten klimatischen Veränderung nichts entgegenzusetzen hatten. Nun wirkten sich einige der Mängel, die bei der Reproduktion des Genoms ständig auftreten, plötzlich vorteilhaft aus, weil diese Individuen einfach besser an die veränderte Umwelt angepasst waren. Diese neuen - modifizierten - Arten vermehrten sich rasch. Nach Darwin verändern sich Lebewesen also durch kleine, ursprünglich ganz zufällige genetische Modifikationen.

Aber - murmelt Archipi vor sich hin - diese Theorie trägt den weit reichenden Veränderungen nicht genügend Rechnung, die ganz unvermittelt auftreten - wie beispielsweise die Verwandlung der Fischflossen in Kriechorgane. Zur Erklärung dieses Phänomens haben die Biologen und Paläontologen eine Hypothese aufgestellt: Die Mutation "normaler" Gene führe demnach zu kleinen Modifikationen. Die Mutation sehr viel wichtigerer Gene hingegen, die auf einer höheren hierarchischen Ebene stehen und die genetische Entwicklung des Embryos steuern, würden deutlich erkennbare Veränderungen nach sich ziehen. Die Modifikation dieser so genannter Hox-Gene hätten zur Entstehung der Tierrassen im Kambrium geführt. Welche Beweise gibt es dafür?

Erstens kann man auf diese für die embryonale Entwicklung verantwortlichen Gene einwirken, um richtige Monster entstehen zu lassen, bei denen anstelle eines bestimmten Organs ein anderes sitzt. Zweitens finden sich diese für die Entwicklung des Embryos zuständigen Gene im gesamten Genom des Tierreichs - angefangen bei der Essigfliege über die Maus bis hin zum Menschen. Diese Gene haben sich im Laufe der Evolution kaum verändert - von winzigen Details abgesehen. Daher kann man das Auftauchen eines solchen modifizierten Gens auf den Beginn des Kambriums vor 540 Millionen Jahren datieren...

In diesem Augenblick - einer Art Urknall der Evolution - haben die Hox-Gene in etwa die heutige Form angenommen und trugen bereits die Möglichkeit in sich, solche Prachtstücke der Evolution hervorzubringen wie Sie es sind, liebe Zuschauer. Warum dieses Gen auftauchte, bleibt völlig rätselhaft. Aber Tatsache ist: Wir alle stammen aus dem Kambrium.
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