Die Länge der Jahreszeiten

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jens
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Die Länge der Jahreszeiten

Beitrag von jens »

"Warum dauert der Winter auf der Südhalbkugel 93 Tage, auf der nördlichen Hemisphäre dagegen nur 89? Das ist ungerecht!", beschwert sich der Australier Bloke. Der universalgelehrte Professor Archipi weiß warum und erklärt! Die Länge der Jahreszeiten
Bloke, der Australier, war sehr unzufrieden. Er beklagte sich bei unserem Professor Archipi:

„Das ist nicht gerecht. Bei euch dauert der Winter nur 89 Tage, vom 22. Dezember bis zum 20. März. Bei uns, auf der südlichen Erdhalbkugel, dauert der Winter 93 Tage, vom 22. Juni bis zum 23. September. Eure Winter sind kürzer und eure Sommer länger, verdammte Franzosen."

Archipi gab zu, daß die Bewohner der Nordhalbkugel Glück hatten: 186 Tage in der schönen Jahreszeit gegenüber 179 in der schlechten. Aber Archipi erklärte Bloke, dass es keinen Sinn hat, gegen die Gesetze der Astronomie anzukämpfen. Schlimmer noch, Bloke kannte noch gar nicht das gesamte Ausmaß seines Unglücks.

„Mein lieber Bloke, die Neigung der Sonnenstrahlen zur Erde bestimmt die Entstehung der Jahreszeiten. Die Rotationsachse der Erde ist geneigt im Verhältnis zu ihrer Flugbahn um die Sonne. Im Sommer treffen die Strahlen fast senkrecht auf der Oberfläche der nördlichen Hemisphäre auf. Im Gegensatz dazu treffen sie auf der Südhalbkugel nur schräg auf. Sie erwärmen die Oberfläche weniger und deshalb ist es dort Winter."

„Ja, schon", sagte Bloke, „aber warum ist der Winter auf der nördlichen Hemisphäre kürzer?"

„Ganz einfach: im Winter der Nordhalbkugel ist die Erde näher an der Sonne, und weil die Anziehungskraft der Sonne stärker ist, kreist die Erde schneller im Orbit. Da sie schneller auf die Sonne zufällt, muss sie sich auch wieder schneller von ihr entfernen. Auf der anderen Seite des Orbits wird sie weniger stark von der Sonne angezogen, also fällt sie langsamer und bewegt sich langsamer im Orbit. Das zweite Keplersche Gesetz erklärt das: Die Verbindungslinie zwischen einem Planeten und der Sonne überstreicht in gleichen Zeiträumen gleichgroße Flächen.
Näher bei der Sonne bewegt sie sich schneller, weil die Länge des Kreisabschnitts kürzer ist."

„Ich verstehe die Ursache für die Ungerechtigkeit bei den Jahreszeiten", stöhnt Bloke. „Ich verstehe jetzt, warum es sogar noch schlimmer ist, als ich geglaubt habe..."

„Ja", bekräftigte Archipi. „Wie wir gesehen haben, bestimmt vor allem die Neigung der Sonne im Verhältnis zur Erdoberfläche die Temperatur. Jedenfalls hängt die Strenge der Jahreszeiten zwar weniger stark, aber dennoch ein wenig von der Entfernung zur Sonne ab. Wenn man der Sonne näher ist, erhält man mehr Licht und mehr Wärme. Da in unserem Winter die Erde näher zur Sonne steht, ist es nicht ganz so kalt. In der südlichen Hemisphäre ist es doppelt so kalt, da sie weiter von der Sonne entfernt ist."

„Der große Uhrmacher, der Herr der Flugbahnen, wollte es vielleicht so, weil wir auf der Südhalbkugel nicht so viele sind", bemerkte Bloke.

„In 10 000 Jahren werdet ihr an der Reihe sein", tröstete Archipi. „Dann wird sich die Rotationsachse der Erde gedreht haben und sich zur anderen Seite neigen. Die Jahreszeiten der Nord- und der Südhalbkugel werden dann vertauscht sein. Also: Geduld..."
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